Steiger Partner Planungs GmbH, Lindau

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Haus am See Lindau, Bad Schachen
Haus am See, Bad Schachen
Nennen wir die Villa in Bad Schachen einfach "Haus am See". Das Objekt war eines der größten Sanierungsprojekte (1992 bis 1995) der Steiger Partner Planungs GmbH.
Zum "Haus am See", einem der ersten Holz-Fertighäuser (Bj. 1908), gehören ein noch älteres Gärtnerhaus, ein Gewächshaus, ein Kinderhaus und schließlich eine kleine Hafenanlage mit Bootsgarage und Bootshaus.
Das Baudenkmal wurde von Grund auf saniert, sein inneres Design komplett überarbeitet. Die Hafenanlage wurde revitalisiert, mit einem ferngesteuerten Hydrauliktor versehen und das Bootshaus (mit einer historischen elektrischen Hebebühne als "Trockendock" für Kleinfahrzeuge) mit modernster Technik ausgestattet.
Die Sanierung des Objekts wird vom Landesamt für Denkmalpflege in München eigens erwähnt und ist Gegenstand etlicher Beiträge in Fachzeitschriften.

Seit 1988 steht die Villa mit der gesamten Anlage unter Denkmalschutz. 1991 wechselte sie zuletzt den Besitzer und wurde von Steiger Partner in den Jahren 1992 bis 1995 sehr aufwändig und umfassend renoviert; bis 2006 wurde das Ensemble in weiteren Etappen der heutigen Technik angepasst.

Ursprünglich reicht der Bestand in zwei Perioden bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Nordosten des Grundstücks wurde damals ein Gebäude zur Straße hin errichtet, das heutige Gärtnerhaus. Dieses Holzhaus und der Garten waren in ländlichem Charakter gestaltet, ab 1866 diente es als Sommerhaus. Der Lindauer Josef Widmann schuf Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Areal ein Gewächshaus in Glas-Eisenkonstruktion. 1906 kaufte der Heidenheimer Fabrikant Friedrich Voith das Anwesen. Er ließ 1908 ein großes, rustikales Haus näher am Wasser bauen und einen kleinen Hafen errichten – eben das "Haus am See".

Unter einem weit herunter gezogenen Dach liegen das Parterre und zwei Obergeschosse. Zwei polygonale Erker umklammern Haus und Terrasse auf der Südseite. Das Gebäude ist vollständig aus vorgefertigten Holzteilen errichtet, die Architekt Heinrich Metzendorf von den Holzbauwerken Wolgast in Pommern bezogen hatte. Für Metzendorf typisch ist der ganzheitliche Ansatz: Möbel, Raumausstattung, Grundriss, Außenbau und Garten mussten aus einem Guss sein und miteinander harmonieren.


Ansicht von Süden früher


Detail Erker früher

Renovierung vom Keller bis zum First
In den Jahren 1917 bis 1991 folgten mehrere Besitzerwechsel. Vom Renovierungszustand wurde jedoch über Jahrzehnte praktisch nichts verändert.

Die Renovierung 1992 bis 1995 hatte folgende Ziele: Das innen wie außen dunkel gestrichene Haus brauchte dringend Tageslicht und Helligkeit im Innern, die völlig veraltete Haustechnik musste auf einen modernen Stand gebracht und die Nutzfläche in der Villa erheblich vergrößert werden. Die Außenanlagen waren zu modernisieren und das Gesamt-Ensemble wieder zu einer in sich und mit der Natur am See harmonisierenden Einheit zusammenzuführen.


Ansicht von Süden heute

„Schon die erste Begehung zeigte: Licht ist extrem wichtig“, beschreibt Werner Hemmeter den Start des Projekts. Innen, außen – alles war dunkelbraun, die Fenster klein und zugewachsen. Wände und vor allem das Treppenhaus erhielten einen weißen Anstrich, das Dach darüber Glasziegel. Statt kleiner Fenster lassen jetzt bis zum Boden reichende Fenstertüren auf der Südseite Licht herein.
Lebte vorher eine ältere Frau allein in der Villa, so war es nun eine Großfamilie. Mehr Räume wurden im gleichen Bauvolumen (eine typische Aufgabenstellung in der Altbausanierung) gebraucht. Eine Kammer im Dachgeschoss verwandelte sich in Kinderzimmer. Der zuvor als Koks- und Kohlenlager sowie für eine Dampfheizung genutzte Keller wurde zur Wellness-Oase: mit Sauna, Whirlpool und Billardraum. Der Platz reichte auch noch für einen Hauswirtschafts- und Bügelraum, den Getränkekeller und die moderne, mit Erdgas betriebene Heizzentrale. Vom Keller bis zum Dachfirst – die alte Villa wird jetzt voll genutzt.


Ansicht von Norden früher

Hell und freundlich ist der Hauseingang heute, ...

... dunkel war er früher drinnen wie draußen.

Die Außenhülle blieb dabei erhalten. Lediglich das stark gedunkelte Naturholz wurde mit einem lichtgrauen Anstrich versehen, der dem gesamten Ensemble den luftigen, hellen Charakter einer modernen Sommerresidenz gibt. „In Verbindung mit dem Weiß der Tür- und Fensterrahmen sowie Giebelbalken vermitteln sie den Eindruck vornehmer Kühle“, beschreibt es der Historische Verein Lindau in seinem Neujahrsblatt 2010 mit dem Titel „Schau an der schönen Gärten Zier“.


Ansicht von Norden

Hafen mit Bootsgarage und Teehaus
Völlig wieder hergestellt wurde die über 100 Jahre alte Technik im Bootshaus. Voith hatte den Hafen 1907 als eine der ersten Betonbauten der Region anlegen lassen. Seine Ingenieure konstruierten eine elektrische Bootshebeanlage, um die Schiffe in der Bootsgarage aus dem Wasser zu heben.

Direkt auf der Bootsgarage steht das Teehaus (das großzügig geschwungene Dach erinnert an asiatische Teehäuser), umgeben von einer Sonnenterrasse.


Hafen mit Bootsgarage und Schwimmstegen

Vor der Renovierung war der Hafen verlandet und mit Gestrüpp zugewachsen, die Betonmole war in schlechtem Zustand und in ihrer Standfestigkeit gefährdet. Um die statischen Mängel zu beheben und den Hafen wieder in Betrieb nehmen zu können, wurden die Fundamente der Betonmauer freigelegt und saniert. Die Schwimmstege wurden erneuert, die Seiltrommelanlage in der Bootsgarage im Originalzustand (die Anlage ist ein technisches Baudenkmal) wieder hergestellt. Der kleine Privathafen ist mit einem Tor verschlossen, das per Funk ferngesteuert wird. Für die wasserbaurechtliche Genehmigung waren die zuständigen Behörden von Anfang an in das Sanierungsprojekt eingebunden.


Hafenbecken während der Sanierung
Wesentlich war für das gesamte Ensemble auch die Integration der Außenanlagen – vom Hafen über das Teehaus und den Gartenbereich – in die Wohnräume der Villa. Durch die großen Fenstertüren und die direkt davor liegende Terrasse ist der südliche Außenbereich inklusive Seeblick nun einzigartig mit den Wohnräumen verbunden.

Gärtnerhaus, Garagen und Gewächshaus
Im nördlichen Außenbereich standen zwei aus der Kriegszeit stammende Wellblechgaragen, die das optische Bild des Baudenkmals drastisch beeinträchtigten. Um diesen Schandfleck zu beseitigen bewilligten die Behörden die Erweiterung eines Nebengebäudes um einen Garagentrakt. Dieser wie auch das Gärtnerhaus sind äußerlich im gleichen lichtgrauen Stil wie die Villa gehalten.


Gärtnerhaus

Äußerlich unverändert belassen wurde das Gewächshaus, das früher mediterrane Gartenpflanzen wie Feigen oder Litschis im Winter aufgenommen hatte. Nach Norden hin hat es gegen die kalten Winterwinde eine doppelte Wand, gegen Frost wird es mit elektrischen Strahlern beheizt.
Die Wasserversorgung des Gewächshauses – wie auch des gesamten Gartens – erfolgt mittels einer neu im Bootshaus stationierten Seewasserpumpe.


Der neue Garagentrakt
Stand: 4/2010
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